HEILINGEN
Willkommen im Hexengrund
 
 
 Donnerstag 15. November 2018
 


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


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"Zehn Riesen haben sich gelagert. Sie haben sich nebeneinander auf dem Erdboden niedergeworfen, Schulter an Schulter liegen sie und bewachen die Talbreite.

Der erste, flachstirnig, mit breitgelegten Ellenbogen, hält ausschauend den Eingang besetzt, dass keiner sich nahe, dessen Kommen er zuvor nicht gekündet habe. Er sieht still und stetig aus, als ob er alle Tücken seines Lebens eingestellt habe. Man nennt ihn den Wächter.

Der zweite, stärker als der erste, hat seinen Leib, der der Leib eines Löwen ist, mächtig herumgeworfen. Er ist grauenhaft anzusehen mit gekrümmtem Rücken und zurückgeworfener Stirn. Sein Gesicht zeigt steile, verderbliche Runen des Hasses und der wilden Willkür, seine Nasenflügel sind gebläht, zwei Reihen großer, grausamer, roter Zähne sind vorgeschoben. Und seine Seiten sind blutdurchlaufen. Den Totschläger nennen ihn die Menschen.

Der dritte weicht gegen seine Nachbarn ein wenig zurück. Seine Breite ist weniger riesenmäßig. Auf seiner Stirn wohnen das Besinnen, das Erwägen, das Sich-fügen. Still, arm und verstummt liegt er da. Er wird der Mensch genannt.

Und nun der vierte, von wahrhaft fürchterlichem Maß des Leibes. Grauenerregend ist die Kraft seines gekrümmten Nackens und herangezogenen Kopfes. In atemloser Ruhe liegt er auf der Lauer. Wenn er seine Gliedmaßen zusammenraffen wird, wenn er aufspringen wird - dann wird die Erde bersten und ihre zuckenden Eingeweide sehen lassen. Das ist der Teufel..."


Marthe Renate Fischer - Die aus dem Drachenhaus


Marthe (auch: Martha) R. (Renate) Fischer (* 17. August 1851 in Zielenzig; † 17. Juli 1925 in Saalfeld) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie verfasste hauptsächlich Gedichte, Novellen, Erzählungen und Romane. Bekanntheit erlangte sie vor allem als Heimatdichterin. Die unterschiedlichen, allesamt außerthüringischen Verlagsorte sprechen jedoch für eine überregionale Bekanntheit. Ihre Bücher erhielten noch zu Lebzeiten mehrere Auflagen und wurden nach Fischers Tod verstärkt nachgedruckt. Fischer wurde als jüngste Tochter des verarmten Gutsbesitzers Heinrich Fischer in Zielenzig (damals preußische Provinz Brandenburg) geboren. Ihre Kindheit und Jugend verlebte sie in großer Abgeschlossenheit. Ihre schriftstellerische Tätigkeit begann mit Skizzen, meist ernsten Inhalts, für Zeitungen und Zeitschriften, welchen von 1888 ab verschiedene größere Werke folgten.
Nach Lebensstationen am Regierungssitz des preußischen Regierungsbezirkes Frankfurt/Oder und der Metropole Berlin (Ortsteil Friedenau) zog es sie zurück in die ländliche Umgebung. Durch Besuche bei ihrer Verwandtschaft lernte sie Thüringen kennen und blieb hier bis zu ihrem Tod 1925. Zunächst wohnte sie bis 1910 in Uhlstädt, bis 1914 in Leutenberg und zuletzt in Dorndorf bei Rudolstadt und Saalfeld. Das Leben im Hexengrund zwischen Orlamünde und Großkochberg inspirierte sie zu ihrem erfolgreichsten Werk Die aus dem Drachenhaus (1920), in dem sie detailliert den Aberglauben und seine Folgen in dieser Gegend in alter Thüringer Mundart beschreibt. (Quelle: Wikipedia)


Geschichte des Ortes


Verlässt der Wanderer den Ort Zeutsch und biegt in ein sich nach Westen öffnendes Tal ein, so gelangt er in den Hexengrund, welcher von der Bahnstation bis zu den westlichen Höhenzügen über dem Dorfe Schmieden eine Gesamtlänge von 11 km hat.

Eine These besagt, dass der Name Hexengrund nicht, wie man annehmen könnte, von früheren Drachen- und Hexenglauben herrührt, sondern durch den Namen der Weinbauern, auch Heckerleute genannt, entstand.

Das Tal wurde einst vom Wiedbach ausgewaschen. Dieser entspringt beim Hummelsberg bei Schmieden (518m). Der Wasserreichtum ließ einst mehrere Mühlen im Hexengrund entstehen.
Bis vor einigen Jahrzehnten gab es hier insgesamt sieben Mühlen. Im Hexengrund sind acht Dörfer angesiedelt. Davon sind drei (Rödelwitz, Röbschütz und Zeutsch) slawischen Ursprungs.

Wein wurde im Hexengrund und hier besonders in der Gegend um Heilingen von altersher angebaut. Bereits um 973 wird der "vorzügliche Wein" von Heilingen in einer Urkunde von Kaiser Otto II hervorgehoben. Ab dem 18. Jhdt. verlor der Weinanbau infolge der Schäden durch die Reblaus an Bedeutung. Verstärkt begann man sich auf den Obstbau zu konzentrieren. So standen um 1928 in der Engerdaer Flur rund 30.000 Obstbäume. Engerda hat ca. 480 Einwohner, Schmieden nur 65, Rödelwitz 100.

Rödelwitz gehörte einst zur Burg Schauenforst, welche um 1223 erbaut wurde. Schon um 1345 wurde die Burg zum ersten mal zerstört. Der Schauenforst besteht aus Vor- und Hauptburg. Oberhalb dieser Burg sind noch Mauersteine einer germanischen Burganlage zu finden, die sogenannte Reiterbahn, welche vermutlich aus der Zeit vor 800 stammt. Die Hauptburg umfasst Burghof, Pallas, Wirtschaftsgebäude und eine Kapelle. Hier fand 1546 die letzte Kirchenvisitation statt. Danach verließ der Vekar "Grüstschuh" die Burg. Im Kirchtum Rödelwitz soll noch die Glocke dieser Kapelle hängen. Seit 1996 wird auf dem Schauenforst zur Erinnerung dessen, für alle Gemeinden des Hexengrundes, jährlich am 2 Sonntag im Juni, ein Gottesdienst im Burggelände gefeiert. Der Burgfried hat eine Höhe von 28 Meter. Erbauer war Landgraf Ludwig v. Thüringen (Wartburg), Gatte der heiligen Elisabeth v. Thüringen.

Ca. 200 Meter nördlich des Schauenforstes zieht sich die hohe Straße, ein uralter Handelsweg, dahin. Sie führte einst von Erfurt über Gotha bis hin nach Coburg und schließt sich an weitere alte Handelswege an.

Dorndorf, ca. 100 Einwohner, wird geprägt von seiner Kirche, ca. 1680 erbaut und seiner Wölbbrücke aus dem 18. Jhdt. Im Übrigen schrieb die Schriftstellerin Marthe-Renate Fischer einen Roman: "Die aus dem Drachenhaus", welcher über den Aberglauben im Hexengrund berichtet. Angesiedelt ist die Romanhandlung in Dorndorf.

Ebenfalls wurde in Dorndorf ab 1898 ein Rosenfest veranstaltet. Jung und alt aus dem ganzen Hexengrund und seiner Seitentäler (Saaletal, Reinstädter Grund, aus der Saaleaue und aus dem Oberland) fanden sich zum Dorndorfer Rosenfest ein, welches am 9. Juli 1898 von Heinrich Gläser, dem Dorfmüller zu Dorndorf, gestiftet wurde. Dazu stellte er ein Kapital von 3000 Mark zur Verfügung. Hier wurde eine ehrbare Jungfrau zur Rosenbraut erkoren, welche als 1. Preis beim Kegeln dem Sieger den ganzen Tag zur Seite stehen musste. Das Rosenfest gibt es bis zum heutigen Tage, und manch ledige Frau fand hier ihren Mann.

Heilingen mit seinen rund 400 Einwohnern bildet schon von altersher den Mittelpunkt des Hexengrundes. Zu Heilingen gehört der Ortsteil Röbschütz. Das Dorf Heilingen ist eine sehr alte germanische Niederlassung. Die ersten festen Ansiedlungen begannen vor dem siebten Jhdt. Davon zeugen germanische Grenzsteine mit Runenschrift (Runen sind germanische Kult- und Schriftzeichen) sowie der Heilinger Thingstein mit Gerichtslinde. Der Thingstein wurde vor dem siebten Jhdt. errichtet und seine Linde hat ein Alter von über 500 Jahren.

Heilingen wurde erstmals urkundlich erwähnt im Jahre 876. In einer Urkunde von 973 von Kaiser Otto II. wird Heilingen als Helidingi bezeichnet und so kommt man auf die Entstehung des Ortsnamens.

Von Helidingi wird die Silbe "Heli" als Name der germanischen Göttin der Unterwelt und der Gerichtsbarkeit, der Göttin Hel, gedeutet.

Wikipedia berichtet darüber:

Der altnordische Name Hel ist verwandt mit dem deutschen Wort Hölle und führt auf ein urgermanisches *haljô („Hölle, unterirdische Totenwelt“; got. halja; altengl. hell; ahd. hellea) zurück. Das Wort steht in Beziehung zum Verb verhehlen („verbergen“), ist also als „das Verborgene“ zu deuten. Im Gegensatz zur christlichen Vorstellung der Hölle als Strafort bezeichnete der Ausdruck die Totenwelt ohne negative oder auch positive Konnotation. Die Personifizierung der Hel zur Herrin dieser Totenwelt hatte offensichtlich nur im Norden stattgefunden. Hel als Totengöttin ist die Tochter von Loki und der Riesin Angrboda, wird aber nicht dem Göttergeschlecht der Asen zugerechnet, sondern den Riesen. Ihre Haut ist zur einen Hälfte von normaler Farbe, zur anderen blau-schwarz, was bedeutet, dass sie halb tot und halb lebendig ist (bisweilen wird sie auch als zur Hälfte alt zur Hälfte jung beschrieben). Zusammen mit ihren beiden Geschwistern, dem Fenriswolf und der Midgardschlange, wurde sie von den Asen nach Asgard gebracht, da die Götter sich vor den Kindern Lokis fürchteten. Während der Fenriswolf an die Kette Gleipnir gebunden und die Midgardschlange von Odin ins Meer geworfen wurde, verbannte man Hel aus Asgard, woraufhin sie im Norden ihr eigenes Reich gründete. Dort holt sie alle Verstorbenen zu sich, nur die tapfersten Krieger gelangen stattdessen nach Walhall an Odins Tafel. Vor diesem Schicksal sind auch die Götter nicht gefeit, wie der Tod Baldurs zeigt.

Die Endung Dingi kommt vom germanischen "Ding".

Wikipedia führt dazu aus:

Als Thing oder Ding (altnordisch und neuisländisch þing, dänisch, norwegisch und schwedisch ting; oberdeutsch auch Thaiding von ahd. taga-ding) wurden Volks- und Gerichtsversammlungen nach dem alten germanischen Recht bezeichnet. Der Ort oder Platz, an dem eine solche Versammlung abgehalten wurde, hieß Thingplatz oder Thingstätte und lag häufig etwas erhöht oder unter einem Baum (Gerichtslinde), jedoch immer unter freiem Himmel.

Thing geht auf germanisch *þenga- „Übereinkommen, Versammlung“ zurück und steht in grammatischem Wechsel zu gotisch *þeihs „Zeit“. Dieser etymologische Zusammenhang verweist darauf, dass das Thing meist zu festgelegten Zeiten abgehalten wurde. Die ältesten Belege des Wortes finden sich auf Altarsteinen, die von friesischen Söldnern in römischen Diensten entlang des Hadrianswalls errichtet wurden. Darauf verehren sie den Gott Tyr als Mars Thingsus, also als Gott des Things.
Das Wort Thing bedeutet seit ältester Zeit „Volks- und Gerichtsversammlung“. Im alemannischen Raum und im Rheinland hat sich die Bedeutung teilweise noch bis ins 17. Jahrhundert im Wort Dinghof erhalten, das einen mit dem herrschaftlichen Niedergericht verbundenen Hof bezeichnete. Daneben machte der Begriff einen Bedeutungs- und Lautwandel durch. Þing wurde zu neuhochdeutsch Ding und neuenglisch thing. Die Bedeutung „Sache“ leitet sich von der auf der Gerichtsversammlung behandelten „Rechtssache“ ab (vgl. auch lat. res publica „Staat“ zu res „Sache“) und wurde später verallgemeinert. Im Gegensatz zu Deutschland und England erhielt sich der Begriff im Norden in beiden Bedeutungen bis heute. So heißt das isländische Parlament Althing, das dänische Folketing, das norwegische Storting und das der Färöer-Inseln Løgting. In Schweden heißen die Provinziallandtage Landsting. Amtsgerichte heißen auf schwedisch tingsrätt, in Norwegen tingrett.
Im deutschen Wortschatz hat sich der Begriff in einigen Ableitungen wie den Adjektiven dinglich (ursprünglich „das Gericht betreffend“, heute noch in der Fügung dingliches Recht[5]), dingfest und dingflüchtig sowie in den Ableitungen des veralteten Verbs dingen – wie gedungen, sich verdingen, sich ausbedingen, bedingt, Bedingung, unabdingbar – erhalten. Der Dienstag ist dem germanischen Gott Tiwaz oder Tyr als Beschützer des Things gewidmet.


Aus der Göttin Hel und dem Thing wurden Heli und Ding, und so entstand der Ortsname Helidingi, aus dem später Heilingen wurde.

1750 wird in den Kirchenbüchern außerdem eine Niederlassung Schäferei/ Lausnitz letztmalig erwähnt. Von dieser findet man heute in der Lausnitz immer noch Reste der Grundmauern.

Die Heilinger Schule wurde 1859 erbaut. 1913 gab es das erste elektrische Licht in Heilingen. Es gab hier ein Brauhaus, eine Kelterei, eine Mühle und eine Schmiede. 1952 wurde Röbschütz zu Heilingen eingemeindet.



Foto- und Videogalerie

Glockenweihe

1983 wurde die Glocke der Heilinger Kirche erneuert. Dieses Super-8-Video ist ein Stück Zeitgeschichte.


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Ältere Einwohner werden sicher viele Bekannte wieder erkennen.

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(59 MB)


Flurzug

Sehen Sie hier ein Video vom Flurzug 1995


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